Mensch, wo bist du? – 32. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Bremen

By grobi

Mensch, wo bist du? – HIER bin ich (wieder!)

Wo ich war? – In Bremen beim 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag, genau wie über 100.000 andere Besucher, zum Teil sogar aus Afrika und Amerika angereist. Vor zwei Jahren berichtete ich vom Kirchentag in Köln („Lebendig und kräftig und schärfer“) von allerlei interessanten Diskussionen, beeindruckenden Begegnungen und außergewöhnlichen Workshops. Das alles habe ich auch jetzt in Bremen erlebt, mit einem entscheidenden Unterschied: Statt einer Besucherkarte trug ich das Helfertuch!

Felsenheimer im strahlenden Sonnenschein

Felsenheimer im strahlenden Sonnenschein

Während die Jungpfadfinder Lea und Svenja leider noch nicht alt genug waren, um auch Helfer zu werden, und deswegen mit Rainer Jungnickel und dem Kirchenkreis Münsterdorf mit dem Bus nach Bremen fuhren, war ich mit der VCP (Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder) Delegation des Landes Schleswig-Holstein unterwegs: 50 topmotivierte Pfadfinder aus dem ganzen Bundesland und wir Likedeeler (Felsenheimer, Hanna, Crest, Liesbeth und ich) mitten unter ihnen.

Kirchentag aus einer ganz neuen Sicht

Im Gegensatz zu den Besuchern mussten wir Helfer schon am Dienstag anreisen, um die Helfertücher, die Ausweise, das Helfer-T-Shirt und sämtliche Instruktionen zu bekommen und uns einen Überblick über das Gelände zu verschaffen, damit wir später auch anderen Leuten den Weg weisen konnten. Untergebracht wurden wir in einer großen Schule, die VCPer aus ganz Deutschland beherbergte – neue Bekanntschaften ließen sich also gar nicht vermeiden! Vielleicht klingt es für Sie eher spartanisch, wenn ich davon erzähle, dass wir mit Isomatten und Schlafsäcken auf dem Boden schliefen – jeweils 25 Leute in einem Klassenraum – aber Sie glauben gar nicht, wie wundervoll erholsam so eine Schlafstätte sein kann, wenn man mehr 17 Stunden auf den Beinen war. Wir Schleswig-Holsteiner wurden für den AWD-Dome, der größten Halle auf dem Messegelände, eingeteilt. Unsere Aufgaben waren z.B. die Einlasskontrollen, Absperrungen von Sicherheitsbereichen, Umleiten von Menschenmassen und auch das „Halle überfüllt“-Schildhochhalten. Man kommt sich schon sehr lustig vor, wenn mehr als 8000 Leute zum Klezmer-Konzert von Feitmann in den AWD-Dome strömen und man drei Stunden lang nichts anderes sagt als: „Der Südrang 1 ist leider belegt, bitte weichen Sie auf die Nordränge aus. Bitte alle nach Nord. Auf den Nordrängen sind noch Plätze frei! Bitte alle nach Nord!“ Zwischendurch hat man allerlei Fragen zu beantworten. Noch nie habe ich so vielen Menschen gesagt, wo sie langgehen sollten, um zu Halle 7 oder aber zum Überseehafen zu gelangen. Auch Fragen zum Programm wurden oft gestellt: „Wo findet das Konzert der Münchener Gospelchöre statt?“ Bei solchen Fragen musste ich meist passen: Ich kann leider die 3000 Veranstaltungen, die über die Tage hinweg verteilt stattfinden, nicht auswendig.

Liesbeth beim Schalverspenden

Liesbeth beim Schalverspenden

Bremen trägt Blau!

Am „Abend der Begegnung“, Donnerstag, als alle Besucher anreisten, bekamen wir eine sehr spezielle Aufgabe: Kirchentagstücher verspenden. Das bedeutet, dass man sich mit hunderten Tüchern ausrüstet, aus ihnen ein möglichst kreatives und praktisches Outfit bastelt (besonders beliebt war der Kirchentagsschal-Hularock und auch das Kopfband), eine Sammeldose in die Hand bekommt und auf der Straße möglichst viele Schals zu verkaufen. Dazu muss natürlich gesagt sein, dass dieser Kirchentagsschal (dieses Jahr blassblau) eine lange Tradition hat und für viele Besucher einfach dazugehört. Nun, das Schalverspenden kann man langweilig gestalten, indem man einfach am Straßenrand steht und auf Kunden wartet. Man kann allerdings auch mit Werbesprüchen wie „Bremen trägt blau!“, „Blau steht jedem und ist total im Trend!“, „Schal macht schlau!“ und „Blau würde perfekt zu ihrem Oberteil passen!“ die Zielgruppe ansprechen. Später, als die meisten Besucher schon versorgt waren, kam dann noch der Spruch „Der Trend geht zum Zweit-Schal!“ auf. Der Abend war zwar amüsant, aber ehrlich gesagt war ich froh, die nächsten Tage fest im AWD-Dome eingespannt zu sein.

Die Promis zum Greifen nah!

Ein besonderes Highlight war natürlich der Besuch unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zwar kann man als Helfer nie die Aktionen besuchen, für die man sich interessiert, weil sie meistens mit den Arbeitszeiten kollidieren, aber wenn man etwas erlebt, dann auch hautnah. Helmut Schmidt und auch Wolfgang Schäuble, mit dem ich mich über das Wetter unterhielt, waren für uns weitere interessante Begegnungen.

Verhungert sind wir nicht ;)

Versorgt wurden wir übrigens bestens: Wir erhielten bereits bei unserer Ankunft Essensmarken, die wir jeden Tag bei einer zentralen Speisehalle einlösen konnten. Während die Schlange manchmal ziemlich lang war, hatte ich als Vegetarier und damit Mitglied einer eindeutigen Minderheit, gute Karten: Ich hatte mein Essen immer besonders schnell! Wenn wir unabdingbar in unserem Einsatz waren, z.B. bei Angela Merkels Besuch, gab’s tolle Lunchtüten und an jeder Ecke frisches Obst und Getränke. Als Ruhestätte wurde uns sogar eine Helferkneipe eingerichtet, in der wir für wenig Geld Snacks erwerben oder einfach nur abschalten konnten.

Die einzige Aktion, bei der ich wirklich hautnah dabei war, war der VCP-Gottesdienst auf dem Beck’s-Schiff (bekannt aus der Werbung). Schade war, dass alle Pfadfinder eingeladen waren, aber nur ein kleiner Teil wirklich auf dem Schiff einen Platz fand. Unsere Landesbischöfin Maria Jepsen allerdings schien von uns überzeugt zu sein.

Am Hafen

Am Hafen

Anstrengend aber auch schön…

Überhaupt war es immer schön, wenn man ein persönliches Danke von den Besuchern bekam. Es ist wirklich anstrengend, morgens um 6 Uhr aufzustehen, um 8 Uhr am Einsatzort zu sein und dort auch bis 22 Uhr zu bleiben. Und wir tun das freiwillig, wir bekommen kein Geld dafür, alles ist ehrenamtlich. Die Hallenleiter, die im ständigen Funkkontakt miteinander waren, um die Sicherheit im Dome zu gewährleisten, waren zum Teil noch länger im Einsatz. Viele Besucher wussten das zu schätzen und waren nett und verständnisvoll. „Mensch, wo bist du?“ musste ich mich nur fragen, wenn ich auf die weniger verständnisvollen Besucher traf: Sie konnten es nicht nachvollziehen, dass es wichtig ist, z.B. die Rettungswege frei zu halten oder dass eine Halle irgendwann überfüllt ist und deswegen keine Besucher mehr aufnehmen kann. Wenn eine Treppe abgesperrt ist, dann hat das seinen Grund, oder wenn wir sagen, dass die Süd-Ränge voll sind, dann wollen wir doch nichts Böses, im Gegenteil: Wir wollen Schlimmes vermeiden!

Abschlussgottesdienst mit Riesenballons

Amüsant war auch die Begegnung mit den stickstoffgefüllten Riesenballons, die für den Abschlussgottesdienst vorbereitet wurden. Jeder Helfer bekam einen riesigen Luftballon mit Stickstoff in die Hand gedrückt, welchen er dann an einer Kirchentagsflagge mit der Aufschrift „Hier und jetzt!“ befestigen sollte. Der Gottesdienst war in drei Phasen eingeteilt, die jeweils durch verschiedenfarbige Ballons symbolisiert wurden.

Mensch, wo bist du? – Nächstes Mal bestimmt wieder dabei!

Insgesamt war mein Eindruck dieses Jahr positiv. Ich habe das Gefühl, nicht so viel vom spirituellen Kirchentagsgefühl, das sich durch die Teilnahme an verschiedenen Aktionen ausbreitet, mitbekommen zu haben, aber das Helfen hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit der ganzen Pfadfinder, obwohl man sich nicht kennt und vielleicht anderen Verbänden angehört, war beeindruckend. Auch die Singerunde von mehr als 200 Pfadfindern, die eines Nachts stattfand, entschädigte sämtlichen Aufwand. Ich kann nicht sagen, was ich schöner fand: Das Besucher- oder das Helfersein.

Ich denke, dieser Kirchentag wird nicht nur den Bremern noch lange im Gedächtnis bleiben, sondern auch den Teilnehmern!

„Mensch, wo bist du?“ Die Antwort war und ist ganz klar: HIER!

BILDER GIBT’S HIER

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

6 Antworten zu „Mensch, wo bist du? – 32. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Bremen“

  1. Felix sagt:

    Hmm, ihr wart für den AWD Dome eingeteilt? Auch am Freitag Abend? Ich such die beiden, die da auf Eingang W (bei den Sanis) aufgepaßt haben. Ich bin der mit der lustigen grünen Weste und schulde noch einen Kaffee ;-)

  2. Stamm Likedeeler VCP Krempe sagt:

    Joah, das waren dann wohl Leute von uns. Also, wenn’s VCPer waren. Wir waren da eigentlich immer eingeteilt außer einmal am Mittwoch, da haben wir Schals verspendet. :)

  3. Stamm Likedeeler VCP Krempe sagt:

    http://www.vcp-sh.de/forum/viewtopic.php?t=1908&start=15 <- das waren Trienke und Silja ;)

  4. Felix sagt:

    Super :D Ganz herzlichen Dank!

  5. Felix sagt:

    Äh, ist vielleicht ‘ne blöde Frage, aber meine Mailadresse hast Du weitergegeben, oder? Sonst ist das ja alles etwas zweckfrei … ;-) Vielen Dank nochmal für Deine Mühe!

  6. Stamm Likedeeler VCP Krempe sagt:

    Natürlich hab ich die weitergeleitet ;)

Eine Antwort schreiben