Kluft und Halstuch

Warum tragen wir die Kluft?

In unserem Stamm tragen wir als VCP-Mitglieder die graue Kluft oder auch Tracht. Dies mag auf manche zuerst sehr befremdlich wirken, es hat aber bestimmte Gründe:

Verdeckung sozialer Unterschiede

Als Baden-Powell 1907 auf Brownsea Island das erste Pfadfinderlager mit ein paar Jungen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten durchführte, wollte er die äußerliche Merkmale der Unterschiede, nämlich durch die Kleidung, verdecken. Die Jungen trugen die gleiche Kleidung, niemand wurde aufgrund seiner Herkunft benachteiligt.
Auch heute, in der Zeit des Markenterrors, ist es uns wichtig, niemanden wegen seiner Herkunft oder sozialen Stellung zu benachteiligen. Auf der Kluft steht kein großer Name und alle beziehen ihn aus der gleichen Quelle. Mit der Kluft verdecken wir nicht nur soziale Unterschiede, sondern unterbinden auch den „Krieg der Subkulturen“. Hopper, Emos, Metaller und was es noch so an Jugendkulturen gibt, sie alle tragen das graue Hemd.

Wiedererkennung

Zwar gibt es deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern, Verbänden, Stämmen, Regionen, was die Farbe und Tragweise der Kluft angeht, aber als Pfadfinder können wir uns gegenseitig identifizieren. Auch ein Fußballverein z.B. trägt Trikots, die seine Zugehörigkeit zum einen zur großen Gruppe der Fußballer zeigt, zum anderen aber auch seine Vereinszugehörigkeit. So ähnlich ist es auch mit der Kluft: Mit dem Tragen der Kluft zeigen wir der Öffentlichkeit, dass wir Pfadfinder sind. Gleichzeitig zeigen wir aber auch untereinander, dass wir eine gemeinsame Gesinnung haben (die Pfadfinderei) und dass wir zum VCP gehören (durch das Tragen der VCP-Lilie auf grauem Hemd).

Arbeitskleidung

Die Kluft hat außerdem noch einen sehr praktischen Nutzen: Sie dient uns auch als Arbeitskleidung. Das Hemd ist sehr robust und darf beim Holzhacken auch gerne einmal dreckig werden. Niemand möchte sich sein Lieblings-T-Shirt zerreißen beim Geländespiel und mit der Kluft kann das gar nicht so schnell passieren. Das Hemd ist pflegeleicht und robust genug, um nicht sofort zu zerreißen.

Bestandteile der Kluft

WAGGGS und WOSM Abzeichen

Das Zeichen für die World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS) und das Zeichen für die World Organisation of Scout Movement (WOSM) werden nebeneinander auf dem linken Oberarm getragen.

VCP-Lilie

Die VCP-Lilie besteht aus dem WAGGGS-Kleeblatt, der WOSM-Lilie und einem Kreuz, welche weiß auf blauem Grund auf der linken Brusttasche getragen werden.

Deutschlandband

Das Deutschlandband, welches unsere Staatsangehörigkeit zeigt, wird über der linken Brusttasche getragen.

Stammesbadge

Um die Zugehörigkeit zu den Likedeelern zu zeigen tragen wir einen Aufnäher mit unserem Logo auf der Kluft. Dieser wird über der rechten Brusttasche angebracht.

Lageraufnäher

Der neuste Lageraufnäher kann auf den rechten Ärmel oder die Brusttasche genäht werden. Einige tragen aber auch den Aufnäher von ihrem ersten Lager an dieser Stelle.

Wie wird die Kluft getragen?

Pfadfinder tragen die Ärmel ihrer Hemden aufgerollt, weil ihnen dies mehr Freiheit gibt, aber es entspricht auch ihrem „Allzeit bereit“ für jede Aufgabe, die sich ergeben mag. (Baden-Powell, Gründer der Pfadfinderbewegung)

Unsere Ärmel krempeln wir also hoch, um unser Motto „Allzeit bereit“ zu symbolisieren: Wer anfängt zu arbeiten, krempelt sich die Ärmel hoch. Wir sind allzeit bereit, wir haben die Ärmel schon hochgekrempelt.

Außerdem legen wir viel Wert auf Ordentlichkeit, weshalb die Kluft häufig in die Hose gesteckt wird.

Das Tuch

Das Tuch identifiziert den Pfadfinder neben seiner Kluft als einen solchen. Auch hier gibt es Unterschiede von Land zu Land, Verband zu Verband, Region zu Region und Stamm zu Stamm.

In unserem Stamm darf das Tuch erst nach bestandener Halstuchprüfung getragen werden und wird nach dem Ablegen des Versprechens in einer feierlichen Atmosphäre verliehen. Es gibt also auch Gruppenmitglieder ohne Halstuch.

Seit 2009 gibt es neue Tücher für den VCP. Hierbei wurde die neue Stufenordnung beachtet, sodass wir jetzt Tücher mit der Grundfarbe blau haben mit Rändern in den Farben der jeweiligen Stufe: Für die Wölflinge ist diese weiterhin rot, die Jungpfadfinder haben einen hellgrünen, die Pfadfinder einen dunkelgrünen und die Ranger und Rover einen bordeauxroten Streifen. Die Erwachsenenhalstücher für Pfadfinder ab 21 Jahren haben einen lilafarbenen Rand.

Seit 2007 gibt es ein Ringhaltuch (RdP/RDP). Es ist bordeauxrot mit einer aufgesetzten hellgrauen Borte, auf der versetzte Quadrate in den Farben der Deutschlandflagge zu sehen sind. Es wird auf Veranstaltungen getragen, die von mehr als einem Verband ausgerichtet werden.

Auch das Halstuch hat einen praktischen Nutzen: Innen in den Kragen gelegt, schützt es das Hemd vor Schweiß und Schmutz. Früher hatten die wenigsten eine Waschmaschine und es war einfacher, ein Tuch zu waschen, als ein Klufthemd.
Als Dreieckstuch kann es auch im Falle eines Unfalls fungieren, beispielsweise als Verband oder auch als Ring gelegt als Tragevorrichtung. Bei großer Hitze kann es auch als Kopfbedeckung dienen.

Wie wird das Tuch getragen?

Nun, da spalten sich die Gemüter. In unserem Stamm wird es überwiegend aufgerollt getragen. Es gibt aber auch die Variante, dass das Tuch gelegt wird und über dem Kragen getragen wird. Dies ist im VCP aber eher unüblich. Viele tragen ihr Tuch mit einem Freundschaftsknoten am unteren Ende des Tuches („Affenschaukel“), andere mit einem Halstuchknoten. Ein Freundschaftsknoten darf allerdings nur von der Person gelöst werden, die ihn auch gemacht hat. In unserer Satzung gibt es keine festgelegte Trageweise, allerdings achten wir immer darauf, dass das Tuch sauber und ordentlich gerollt wird, also nicht wie ein „Supermancape“ aussieht.

Tuchtausch

Es gibt bei Großfahrten die Tradition, ein zweites Tuch einzupacken, um bei einer Begegnung mit anderen Pfadfindern tauschen zu können. So sind schon ganze Kollektionen an Tüchern zustande gekommen.

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